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Als ein kanadischer Hersteller Videospiele heilig sprechen wollte

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    Es gibt Momente in der Technikgeschichte, die so absurd wirken, dass man sie kaum glauben mag. Einer davon spielte sich in Kanada ab, wo ein Unternehmen ernsthaft versuchte, Christen zum Zocken zu bewegen – mit einer eigenen Spielkonsole namens Game Wave. Die Maschine, die Anfang der 2000er Jahre auf den Markt kam, war nicht einfach nur eine weitere Spielekonsole. Sie war ein gezielter Versuch, religiöse Werte in die Wohnzimmer gläubiger Familien zu bringen.

    Wer sich heute noch an die Game Wave erinnert, denkt wahrscheinlich an ihre hanebüchenen Spiele. Bible Quiz – genau das, wonach es klingt – forderte Spieler heraus, ihr biblisches Wissen unter Beweis zu stellen. Doch damit nicht genug. Ein Mario-Party-Klon namens Fruit Prayer brachte die Absurdität auf die Spitze: statt Minigames mit Mario und Luigi spielte man hier mit religiösen Motiven und – wer hätte es erraten – Gemüse. Knackige Karotten und leuchtende Paprikas statt bunter Charaktere. Die Spieler hüpften übers Spielfeld, beantworteten Fragen zum Christentum und sammelten virtuelle Gemüseprämien.

    Niemand außer dem Hersteller schien sich davon begeistern zu lassen. Die Game Wave verschwand so schnell wieder vom Markt, wie sie gekommen war. Eltern, die sich eine Alternative zu den »gottlosen« Konsolen der Konkurrenz erhofften, stellten fest, dass sie einfach schlecht waren. Keine packenden Geschichten, keine technischen Innovationen – nur die merkwürdige Vorstellung, dass man Kindern Spaß am Spielen und Spaß an Religion gleichzeitig beibringen könne.

    Rückblickend wirkt das Ganze wie ein Marketing-Experiment, das völlig die Zielgruppe missverstanden hat. Während Sony und Microsoft darum kämpften, die besten Third-Party-Developer ins Boot zu holen, versuchte die Game Wave, junge Menschen über ihre Religionszugehörigkeit zu erreichen. Das Ergebnis war weder Fisch noch Fleisch – weder ein technisches Kraftpaket noch ein spiritueller Lehrplan.

    Heute erinnert man sich an die Game Wave als bizarres Kapitel in der Spielebranche, als eine Zeit, in der ein Unternehmen wirklich glaubte, mit Bibel-Quizzen und gebratener Grafik die Herzen der Gamer erobern zu können. Dass die Rechnung nicht aufging, hätte man vorhersehen können. Doch vielleicht ist genau das das Schöne daran: Es zeigt, dass man Videospiele nicht einfach moralisch neu erfinden kann, nur weil man es versucht.