Paris verwandelt sich. Während andere europäische Hauptstädte noch über Fahrradförderung diskutieren, nimmt die französische Metropole das Thema längst in die eigenen Hände – und zwar massiv. Die Stadt plant die Hinzufügung von 140 Kilometern neuer Radwege, begleitet von einer grundlegenden Umgestaltung von 420 Kreuzungen. Ein Projekt, das zeigt, wie ernst es Paris mit dem Umbau zur Fahrradstadt meint.
Die Zahlen allein wirken beeindruckend, doch hinter ihnen steckt eine Philosophie, die den Alltag von Millionen Pendlern verändern wird. An vielen dieser neu gestalteten Stellen bekommen Radfahrer künftig Vorrang vor Autos – eine Umkehrung der traditionellen Verkehrshierarchie, die jahrzehntelang das Straßenbild geprägt hat. Wer derzeit durch Paris fährt, sieht bereits die Spuren dieser Transformation: rote Asphaltflächen, die sich wie ein Netzwerk durch die Straßen ziehen, Pollards, die Fahrbahnen voneinander trennen, die Gestaltung von Kreuzungen, die Radfahrern Sicherheit geben statt bloß Raum.
Besonders interessant ist die Konsequenz dieser Planungen. 420 Kreuzungen zu überarbeiten bedeutet nicht nur neue Markierungen zu malen. Es erfordert Umdenken bei der Ampelschaltung, bei den Wartebereichen, bei der gesamten Logik, wie Menschen und Fahrzeuge sich im städtischen Raum bewegen. Jede einzelne Kreuzung wird zur Testfläche für die Frage: Wie sieht eine fahrradgerechte Stadt aus?
Seit Jahren arbeitet Paris an diesem Wandel. Die Stadt hat bereits erhebliche Streckenabschnitte umgebaut, doch das Projekt zeigt, dass die bisherige Arbeit erst ein Anfang war. Die neu geplanten 140 Kilometer sollen bestehende Lücken schließen und mehrere Stadtteile erstmals wirklich gut mit dem Fahrrad erreichbar machen. Das ist kein rein technisches Unterfangen – es ist auch politisch. Jeder Quadratmeter, der dem Fahrrad gehört, ist ein Quadratmeter weniger für Autos.
Ob das Projekt vollständig umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Paris hatte sich ähnliche ehrgeizige Ziele schon öfter vorgenommen. Doch die bisherige Bilanz spricht für die Stadt: Millionen von Parisern nutzen bereits regelmäßig die Fahrradinfrastruktur. Die Frage ist nicht mehr, ob Paris Fahrräder will, sondern wie schnell es die Transformation vollziehen kann.






